Den Wind beim Schopfe gepackt

„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“, soll der griechische Philosoph Aristoteles einmal gesagt haben.  In der Eifelgemeinde Dahlem hat man die Worte des weisen Mannes offenkundig auf ganz eigene Weise interpretiert.  Im Zusammenspiel der unternehmerischen Energie eines Investors mit dem sorgsamen Kalkül von Verwaltung und Rat und den topographischen Gegebenheiten der Gemeinde ist ein Projekt entstanden, das landesweit Vorzeigecharakter hat und nicht zuletzt den Dahlemer Vereinen zugute kommt.

Neben der Tatsache, die kleinste Gemeinde von Nordrhein-Westfalen zu sein, verschafft das Projekt der Kommune noch ein weiteres Attribut mit Superlativ. Denn die Anlagen im Baasemer Wald stellen den bislang größten im Wald realisierten Windpark von ganz NRW dar.

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Die Firma Dunoair mit Sitz in Oosterbeek (Niederlande), in Rees (Niederrhein) und Trier hat oberhalb des Dahlemer Ortsteils Berk zehn Windkraftanlagen errichtet, und zwar nördlich von drei Windrädern, die bereits seit einigen Jahren dort stehen. Die Kosten für das Projekt werden mit rund 65 Millionen Euro beziffert.

Acht der neuen Windenergieanlagen (WEA) des Typs Enercon E-115 mit 3 Megawatt weisen eine Nabenhöhe (vom Fundament bis zur Rotormitte) von 149 Metern auf. Zwei der Anlagen (Typ E-92) mit je 2,35 Megawatt verfügen über eine Nabenhöhe von 139 Metern. Mittels dieser zehn Anlagen generiert der Betreiber jährlich rund 92 Millionen Kilowattstunden Strom.

Umgerechnet entspricht das etwa 22.000 Drei-Personen-Haushalten, die damit versorgt werden könnten. Das Unternehmen nennt auch Zahlen zur Umweltbilanz des Windparks: Jährlich würden damit 48.400 Tonnen an CO2 eingespart und noch einmal fast genauso viel an Schwefeldioxid (47.000 Tonnen). Für eine reibungslose Einspeisung, so die Firma Dunoair, sei auch eigens ein Umspannwerk in Nähe der Anlagen errichtet worden.

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Der Wald-Windpark wurde im Dezember 2016 in Betrieb genommen. Zu der Feierstunde anlässlich der offiziellen  Inbetriebnahme kam auch NRW-Umweltminister Johannes Remmel in die Eifel. Im Zuge der angestrebten Energiewende in Deutschland könne man auf gute Windkraft-Standorte im Wald nicht verzichten, wurde Remmel in der Tagespresse zitiert.

Dass der Standort des Windparks gute Erträge bringen wird, war im Vorfeld geprüft worden. Ein Jahr lang war ein 150 Meter hoher Windmast im Einsatz gewesen, um die sogenannte Windhöffigkeit zu messen.  Wie der Dahlemer Bürgermeister Jan Lembach im Gespräch mit Eifel Image berichtet, hat man es dort mit einem der windreichsten Standorte NRWs zu tun.

Es sei ein unkompliziertes Projekt gewesen die Abwicklung betreffend, so Bürgermeister Lembach weiter. Das sei der „vernünftigen Kommunikation“ seitens der Gemeindeverwaltung mit dem Investor und den zuständigen Leuten in der Kreisverwaltung Euskirchen zu verdanken.

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Auch von aufwendigen Voruntersuchungen weiß Jan Lembach zu berichten. So stellte sich zum Beispiel eine der untersuchten Flächen rund drei Kilometer vom heutigen Standort als unbrauchbar heraus, weil dort der Schwarzstorch sein Revier hat, wie man im Zuge der Prüfungen festgestellt hatte.  Auch in der örtlichen Tagespresse stand seinerzeit nichts von größeren Komplikationen.

Allenfalls der 2015 neu aufgelegte Windenergieerlass der NRW- Landesregierung hielt die Beteiligten auf Trab, weil dadurch wohl neue Gutachten nötig wurden und dazu keine Übergangsfristen vorgesehen waren. Die Bedenken des geologischen Dienstes gegen den Waldwindpark wegen möglicher Störungen der seismografischen Mess-Station an der rund zehn Kilometer entfernt liegenden Oleftalsperre konnten ebenfalls zertreut werden.

Selbstverständlich weiß Bürgermeister Lembach, dass es auch Gegner der Windkraft gibt, denen solche Windkraftanlagen ein Dorn im Auge sind, die gerne von der „Verspargelung der Landschaft“ sprechen, sich auf natur- und tierschutzrechtliche Anliegen berufen und auch aus touristischer Sicht ihre Einwände gerechtfertigt sehen.

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Doch Jan Lembach beruft sich zum Thema Windkraft auf ganz pragmatische Argumente: „Wir haben es hier mit einer Übergangstechnologie zu tun.“ Er geht nicht davon aus, dass die bestehenden Windkraftanlagen in 20, 30 Jahren erneuert oder durch modernere Windräder gleicher Bauart ersetzt werden, sondern dass bis dahin eine neue Technologie entwickelt sein wird.

Lembach: „Dann können die Windräder einfach wieder abgebaut und die Fundamente  entfernt werden. Das geht bei einem Atomkraftwerk oder beim Braunkohletagebau nicht. Deshalb kann ich mit den Windrädern gut leben.“

Was eine mögliche Beeinträchtigung des Tourismus in der Eifel angeht, so beruft sich Bürgermeister Lembach auf eine Umfrage des Naturparks Nordeifel, in dem auch die Gemeinde Dahlem gelegen ist. Demnach gaben 12 Prozent der Befragten an, Windkraftanlagen in der Eifel als „störend“ beziehungsweise „sehr störend“ zu empfinden.

Auf die Frage, ob sie „bei zusätzlichen Anlagen auf einen Besuch in der Eifel verzichten würden“, antworteten lediglich 6 Prozent der Befragten mit Ja. 91 Prozent der Touristen sahen darin keinen Hinderungsgrund für einen Besuch/Aufenthalt in der Eifel.

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Durch die Einnahmen aus der Verpachtung der Windradstandorte hat die Gemeinde zusätzliche Einnahmen von bis zu 800.000 Euro pro Jahr.  Es ist vorgesehen, jährlich 55.000 Euro davon an die sechs Ortsbürgermeister auszuzahlen, die mit dem Geld vor allem die Arbeit der Vereine in ihrem Zuständigkeitsbereich unterstützen sollen.

Derzeit sind noch fünf weitere Windkraftanlagen im Bau – drei auf Gemeinde-, zwei auf privatem Grund – die voraussichtlich im September 2017 fertiggestellt werden. Weitere Anlagen sind laut Bürgermeister Lembach nicht geplant. Was die von der Bundesregierung avisierte Energiewende angeht, so ist die Gemeinde Dahlem auf einem vorbildlichen Weg.

Neben dem Solarpark im Ortsteil Schmidtheim setzen auch zahlreiche Bürger auf Sonnenenergie und haben Solarmodule auf ihre Hausdächer montiert. Wenn sich auch noch eine Möglichkeit ergibt, die Wasserkraft des  Kronenburger See  entsprechend zu nutzen, wäre der Dreiklang der regenerativen Energiegewinnung in der Gemeinde Dahlem geschafft.

Text und Fotos: Pressebüro Romanowski

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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