Gesegnet, mautfrei und grenzenlos

Einweihung

Ohne kirchlichen Beistand ging am Sonntag in Jünkerath-Glaadt gar nichts. Die Politprominenz hatte sich längst vor der Fotografenmeute auf dem neuen und fristgerecht fertiggestellten Radweg in Positur gestellt, um das Startband zu zerschneiden. Doch die Glaadter, die an diesem Tag auch ihre Kirmes feierten, waren unnachgiebig. „Der Pastor fehlt noch“, hieß es aus ihren Reihen.

Eine Gruppe  junger Heißsporne in feschem Radlerdress mit ihren Mountainbikes war zwar kaum noch zu bremsen, doch sie mussten sich gedulden. Alsbald aber bahnte sich der Musikverein mit dicken Backen seinen Weg durch die Zuschauerschar, ihm hinterdrein wurde der Kirmesknochen von den örtlichen Jungmännern getragen und wiederum dahinter kam endlich auch der Gottesmann mit seinen Messdienern.

Der Geistliche sprach mit den Anwesenden das Vaterunser, segnete anschließend Besucher und Radweg mit Weihwasser und wünschte allen eine gute Fahrt. Nur: Seinen Draht nach ganz oben hätte der Priester doch etwas besser nutzen können. Denn die Witterung war alles andere als radlerfreundlich. Gottlob herrschte aber kein Dauerregen.

Die Stimmung der zahlreichen Radfreunde war jedenfalls bestens. Doch bei Sonnenschein wäre deren Zahl selbstverständlich größer gewesen – ebenso wie das Vergnügen, über die ehemalige Trasse  der Vennquerbahn durch die stimmungsvolle Landschaft der Eifel zu radeln. An sechs Aktionspunkten der Strecke von Glaadt über Stadtkyll, Kronenburg, Hallschlag, Losheim an der deutsch-belgischen Grenze und weiter bis nach Büllingen sorgten indessen verschiedene Gruppen und Vereine für Spiel, Unterhaltung und Verköstigung. In Büllingen erwartete die Besucher beispielsweise ein „Belgischer Tag“ mit u.a. landestypischen Waffeln, Bier und Schokolade. Mittels Stempelkarten konnten die Radler auch an einer Verlosung teilnehmen.

„Dieser Radweg bleibt mautfrei“  Minister Groschek

Der knapp 20 Kilometer lange Abschnitt des Kylltalradwegs von Jünkerath nach Losheim ist ein gemeinsames Projekt der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Erste Überlegungen dazu gab wohl schon ab 2007. Unter der Gesamtkoordination des Kreises Euskirchen machten sich der Landesbetrieb Straßen NRW Euskirchen und der Landesbetrieb Mobilität Gerolstein gemeinsam an die Arbeit.

Es mussten einige Grundstücke entlang der alten Trasse der früheren Vennquerbahn erworben werden. 2,5 Millionen Euro wurden für die Erneuerung der Brückenbauwerke und Durchlässe fällig. Zusammen mit den landespflegerischen Maßnahmen und dem Bau des eigentlichen Radwegs schlug das Projekt letztlich mit rund 5,5 Millionen Euro zu Buche, wie der Landesbetrieb Mobilität Gerolstein verlauten ließ. „Dieser Radweg bleibt jedenfalls mautfrei“, gab Michael Groschek zur Einweihung lächelnd zu verstehen.

Er hatte als Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW ebenso den Weg nach Glaadt gefunden wie Heike Raab, rheinland-pfälzische Staatssekretärin des Innern, und Isabelle Weykmans, Ministerin der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und derzeit zuständig für kulturelle und touristische Angelegenheiten. Gemeinsam mit Landrat Günter Rosenke (Kreis Euskirchen) bestritten sie mit ihren Ansprachen den offiziellen Teil der Eröffnung im Glaadter Festzelt, wo sich unter anderem auch die Bürgermeister der anliegenden Kommunen – Jan Lembach (Dahlem), Rudolf Westerburg (Hellenthal) und ihre Amtskollegin Diane Schmitz (Obere Kyll) – sowie Heinz-Peter Thiel als Landrat des Landkreises Vulkaneifel eingefunden hatten.

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